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Warum ich sonntags schreibe

Es kommt niemand — und genau deshalb gibt es diese Seite

6. September 2026 · 4 Minuten

Es ist Sonntag früh. Das Haus ist noch ruhig. In einer Stunde fängt der Lärm an, der zu einer Familie gehört — der gute. Vorher liegt ein Streifen Zeit, der niemandem gehört. Den habe ich lange verbrannt: Nachrichten, das, was die Welt angeblich von mir will, bevor die Kinder frühstücken.

Die Welt ist nicht lauter geworden, weil es früher keine Kriege, kein Geld und keine Krankheit gab. Sie ist lauter geworden in der Zustellung. Sie liegt beim Aufwachen schon auf dem Nachttisch. Jede Meinung hat eine Sirene. Jeder Tag beginnt mit dem Gefühl, man sei im Rückstand — nicht bei der Arbeit. Beim Menschsein.

Ich habe gewartet, dass irgendetwas draußen sich beruhigt. Die Lage. Der Job. Die Phase. Ein Montag, der sich anfühlt wie ein Anfang. Der Montag kam. Die Phase blieb. Die Lage wurde nicht leiser.

Was ich meinen Kindern nicht als Hoffnung hinterlassen kann: dass schon jemand kommen wird. Ein System, ein Chef, eine App, eine bessere Regierung, ein Mann mit einem Plan. Dass das Leben sich von selbst in eine Form legt, wenn man nur geduldig genug mitliest.

Es kommt niemand.

Das klingt hart. Es ist das Gegenteil. Es ist die einzige Nachricht, mit der man einen Dienstag bauen kann. Wenn niemand kommt, ist der nächste Schritt klein und bei dir. Nicht beim Weltgeschehen. Beim Schlaf. Beim ersten Griff nach dem Handy. Bei dem Satz, den du sagst, wenn du selbst dünn bist.

Deshalb mache ich das hier

Nicht, weil ich herausgefunden hätte, wie man ein Leben führt. Ich bin 45, ich habe einen Job, zwei Kinder, und eine lange Liste von Dingen, die drei Wochen gehalten haben. Ich bin kein Coach. Ich kann dich nicht verändern. Ich glaube nicht, dass das jemand kann.

Ich kann aufschreiben, was übrig geblieben ist, nachdem das meiste nicht gehalten hat. Handgriffe. Keine Programme. Die Stellen, an denen es schiefgegangen ist, eingeschlossen.

Angefangen hat das als Sammlung für meine Kinder. Sätze, die ich mir mit fünfundzwanzig gewünscht hätte und die ich mit fünfundvierzig erst langsam halte. Ich stelle sie öffentlich, weil ein Text, den ein Fremder liest, zu Ende gedacht wird. Für die Kinder allein wäre er höflich geblieben.

Der Teil, der in deiner Küche liegt

Wenn ich sage, dass jeder etwas tun muss, meine ich nicht die Welt retten. Die Woche ist voll, der Schlaf ist kurz, und niemand wartet mit einem besseren Angebot. Die Kinder gucken trotzdem. Der Körper führt trotzdem Buch. Der Kopf rechnet nachts trotzdem weiter.

Du musst die Lage nicht klären. Du musst den Teil klären, der in deiner Küche liegt. Wer das nicht tut, gibt die Form seines Tages an Leute ab, die ihn nicht kennen und nicht lieben.

Ich schreibe das auf, weil ich gesehen habe, was passiert, wenn man zu lange wartet. Man wird nicht dramatisch. Man wird dünn. Freundlich, funktionierend, und irgendwann nicht mehr da, obwohl man am Tisch sitzt. Das will ich meinen Kindern nicht vormachen. Und den Leuten nicht durchgehen lassen, die dieselbe Woche haben wie ich und immer noch auf den richtigen Monat warten.

Was hier steht

Jeden Sonntag ein Text.

Kein Theater. Ein Stück, das in einer Kaffeepause geht. Mal Kopf, mal Körper, mal die Kanten im Tag. Kein Versprechen, dass nächste Woche ein anderer Mensch aus dir wird. Ein Bericht. Manchmal eine Zahl. Immer eine Sache, die klein genug ist, dass sie auch in einer schlechten Woche geht.

Wenn du nichts damit anfangen kannst, ist das eine Antwort. Dann kommst du nicht wieder, und ich nehme es niemandem übel.

Wenn du bleiben willst: Sonntag. Dieselbe Stelle. Ich bin dann hier.


Wer gar nicht weiß, wo er diese Woche anfängt — der 7-Tage-Reset ist kostenlos und absichtlich langweilig. Eine Sache pro Tag. Mehr nicht.

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